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Bereitschaft Cuxhaven im Ahrtal

Vom 9. – 12. August diesen Jahres war eine Gruppe, die zusammengestellt wurde aus den Bereitschaften Cuxhaven und Land Hadeln, im Einsatz in Rheinland-Pfalz bei der Flutkatastrophe im Ahrtal.

Es erklärten sich drei Frauen und sieben Männer, im Alter von 22 – 41 Jahren bereit, sich dieser, für alle neuen, realen Aufgabe zu stellen. Die Katastrophe geschah zwar bereits drei Wochen zuvor, am 14. Juli, auf Hilfe waren die Bürgerinnen und Bürger dort aber trotzdem, auch noch bis zum heutigen Tage, angewiesen. Die zehn ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer befanden sich bereits drei Wochen lang im Voralarm, als der Einsatzbefehl vom DRK-Landesverband am Freitagabend, 6. August, gegen 20:00 Uhr kam. Der Einsatzbefehl lautete, die Bereitschaft solle sich am Montag, um 12:00 Uhr, im Ahrtal einfinden. Alle zehn Ehrenamtlichen hatten zuvor bereits bei den Arbeitgebern signalisiert, dass es zu einem solchen Einsatz kommen könnte, von daher stellte die Freistellung keine Schwierigkeit dar. Weiter hieß es, jeder dürfe nur eine Tasche mitnehmen und die Helfer berieten aufgeregt untereinander, was denn wohl am Sinnvollsten in so ein Katastrophengebiet mitzunehmen wäre. Auch einen Schlafsack sollte jeder dabei haben. Die Zeit bis zur Abfahrt am Montag, 9. August, um 05:00 Uhr, verging rasend schnell und ehe sich die Helfer versahen, saßen sie schon aufgeteilt in einem VW-Bus und einem Krankentransportwagen und verließen Cuxhaven.
Pünktlich um 12:00 Uhr kam die Gruppe, mit Gruppenführer Daniel Müller, um 12:00 Uhr im Ahrtal, am „Betreuungsplatz 500“, ein bisschen erhöht, an einem Berg liegend, an. „Betreuungsplatz 500“ hieß es deshalb, weil dort bis zu 500 Helfer und Helferinnen unterkommen konnten. Unter allen Helfern gab es ca. 20% Frauen. Unserer Gruppe wurde ein Zelt mit zehn Feldbetten als Unterbringung zur Verfügung gestellt. Außerdem wurde sich kurz mit den Gegebenheiten am Platz vertraut gemacht: Es gab eine ganze Reihe an Dixi-Toiletten und aufgestellte Container mit Duschkabinen und Waschbecken für die eigene Hygiene. Und dann ging es auch schon los. Es gab hauptsächlich zwei Aufgaben für die Gruppe, die täglich von 08:00 – 18:00 Uhr im Einsatz war: Unterstützung und Ausgabe von Sachspenden an alle Hilfesuchenden, an zwei verschiedenen Standorten, und „Streife laufen“. Sachspenden gab es aller Art: von Kleidung über Handtücher, Bettwäsche und Schuhen, bis hin zu Hygieneartikeln, Keksen, Obst, Gemüse und Dosensuppen. An einer der beiden Ausgabestelle gab es auch warmes Essen, das unsere Helfer den älteren beeinträchtigten Bewohnern auch nach Hause brachten. „Streife laufen“ hieß, durch die von Schlamm und Wasser zerstörten Straßen und Wege zu gehen und die Ansprache zu Personen, die dort lebten, zu suchen und Hilfe anzubieten. Diese Hilfe wurde ganz unterschiedlich angenommen. Einige Personen waren schon froh, über ein gutes Gespräch, dass jemand da war, der zuhörte, ohne dabei auf die Uhr zu gucken. Andere waren anfänglich sehr scheu und wurden erst Tage später zugänglich. Diese Einzelschicksale bewegten unsere Helfer sehr und es wurde festgestellt, die Bewohnerinnen und Bewohner des Ahrtals standen noch immer unter Schock. Viele Personen hatten Angehörige oder Freunde oder Bekannte bei dem Unglück verloren. Teilweise wurde es mit angesehen, wie jemand von den Fluten weggeschwemmt wurde. Rote Kerzen in den Fenstern der Häuser, in denen jemand ums Leben gekommen war, signalisierten Opfer der Katastrophe. Erschütternd wurden die Wassermarken an den Häusern zur Kenntnis genommen, wie hoch das Wasser in der Katastrophennacht gestiegen war. Traurigkeit und Fassungslosigkeit lag über dem ganzen Gebiet, in dem es keinen Strom gab und in dem die Trinkwasserbeschaffung in großen Kanistern eine Herausforderung darstellte. Trinkwasser gab es nur im ca. 1-km-entfernten Krankenhaus. Eine Geruchsbelästigung, hervorgerufen durch die hochsommerlichen Temperaturen, in Verbindung mit den trocknenden Schlammmassen, schwebte über allem. Aufgrund von Plünderungs-Vorfällen und „Gaffern“ war die Polizeipräsenz im Ahrtal enorm. Trotz all dieser Widrigkeiten gab es unzählige ungebundene Freiwillige jeden Alters, die außerhalb des Überschwemmungsgebietes zelteten und mit Shuttle-Bussen zum Helfen ins Ahrtal gebracht wurden. Unsere Gruppe hatte täglich eine halbe Stunde Mittagspause, in der sie gut versorgt wurden, um wieder Kräfte zu sammeln. Sie wurden in kleineren Grüppchen von ihrem jeweiligen Einsatzort mit dem VW-Bus abgeholt und zur Versorgungstation gebracht, wo sie ein leckeres Mittagessen zu sich nehmen konnten. Z.B. gab es eine deftige Suppe, Hühnerfrikassee mit Reis oder auch Nudeln mit Tomatensoße. Alles Gerichte, die man in großen Mengen, für viele hundert Helfer, gut zubereiten und länger warmhalten kann. Abends traf man sich auf dem Zeltplatz zum kameradschaftlichen Austausch. Schlafen konnten unsere Helfer auf den Feldbetten in ihrem Zelt nur bedingt gut, denn die Nächte waren sehr kalt. Außerdem konnte niemand so richtig abschalten, ob der Geschehnisse und einschneidenden Geschichten des Tages, die doch die eigenen Gedanken beherrschten. Am Donnerstag, den 12. August, um die Mittagszeit, hieß es Abschied nehmen vom Ahrtal. Unsere Gruppe war während des Einsatzes toll zusammengewachsen. Die drei Tage vor Ort fühlten sich viel länger an und waren für jeden Einzelnen sehr prägend. Eine Helferin meinte, sie wäre aufgrund des Einsatzes „für immer verbunden mit dem Ahrtal“. Alle wären an dem, was sie erlebt hätten, gewachsen, reifer geworden und hätten sich teilweise selbst anders kennengelernt. Einstimmig waren alle der Meinung, nach einigen Jahren ins Ahrtal zurückzukehren.

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