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Flüchtlinge von damals treffen Flüchtlinge von heute

Am 24.10. organisierte Anke Müller-Belecke von der Koordinierungsstelle Flüchtlingswesen des DRK in Hemmoor zusammen mit Ilse Huljus vom Ortsverein Hemmoor Basbeck/Warstade eine ganz besondere Begegnung:

Geflüchtete von damals und von heute trafen sich im Familienzentrum zum Austausch. Im Vordergrund des Treffens standen die Erfahrungen der Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges als Geflüchtete hier in den Landkreis gekommen sind.
So wie die Schwestern Helga Mahler und Anita Grebien, die viel von ihrer harten Flucht aus Ostpreußen nach Hemmoor erzählten. Auch Maria Florian, die als Kind in den letzten Kriegstagen aus Westpreußen hier in die Region fliehen musste, beeindruckte mit ihren Berichten. „Wir kamen bei einem Bauern im Stall unter, hier blieben wir die erste Zeit. Unsere Mutter musste sehr hart arbeiten“, berichtete Frau Florian, während sie einen alten Zeitungsartikel mit Fotos des Flüchtlingstracks herumreichte. „Die meisten Leute in den Flüchtlingstracks im bitterkalten Winter 1945 waren Frauen und Kinder, denn die Männer waren im Krieg. Wir sind 7 Wochen unterwegs gewesen.“
Für die jungen Geflüchteten aus Syrien, Ameer Anadani und Abed Aleesa sowie für die junge Madina Bawar aus Afghanistan war es an diesem Nachmittag besonders beeindruckend, aus erster Hand zu erfahren, wie die Flüchtlinge von damals hier in den Dörfern ankamen und mit Nichts unter sehr harten Bedingungen ein neues Leben aufbauen mussten. Hierbei, so erzählten die älteren Zeitzeuginnen, hätten sie als Flüchtlinge hier in der Region auch häufig von Seiten der einheimischen Bevölkerung Diskriminierung erfahren müssen.
Für die jungen Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan wurde schnell klar, dass ihr Ankommen hier durch die staatlichen Zuwendungen vergleichsweise einfacher war. Doch auch sie berichteten auf Fragen der Älteren davon, wie der Krieg ihre Länder zerstört und ihre Familien zerrissen hat. Am Ende der sehr offenen und herzlichen Begegnung standen viele gemeinsame Erfahrungen und Gefühle sowie die Zuversicht, dass die Region hier mit der Zeit doch eine neue Heimat werden kann.

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