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Auf den Spuren Henry Dunants

DRK-Führungskräfte unternehmen Exkursion zur Geburtsstätte des Roten Kreuzes in Italien.

Das nur wenige Kilometer vom Südufer des Lago di Garda (Gardasee) gelegene Solferino ist Ausgangspunkt der Entstehung der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung vor mehr als 150 Jahren.
Welche Rolle genau spielt dieser Ort für die älteste und mit weltweit mehr als 100 Millionen Aktiven und Förderern größten Hilfsorganisation der Erde? Das erfuhr eine zwölfköpfige, überwiegend aus ehrenamtlich tätigen Führungskräften bestehende Delegation des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus dem Bezirk Lüneburg während einer viertägigen Exkursion vor Ort.

Aus den im Landkreis Cuxhaven ansässigen DRK-Kreisverbänden nahmen Anja Söhl (stellvertretende Vorsitzende DRK Land Hadeln) sowie Präsident Dr. Jürgen Haselberger und dessen Vize Wilhelm Horn (DRK Cuxhaven) an der Studienreise teil. Sie und die anderen Teilnehmer aus den DRK-Kreisverbänden Wesermünde, Bremervörde, Uelzen und der DRK-Augusta-Schwesternschaft Lüneburg erfuhren, dass es genau genommen zwei Orte sind, die für die Entstehung des Roten Kreuzes/Roten Halbmondes von Bedeutung sind: außer Solferino das keine zehn Kilometer von dort entfernte Castiglione delle Stiviere.

In Solferino besichtigte die Reisegruppe zunächst die Ossario di Solferino genannte Knochenkapelle. In ihr sind zur Mahnung an die Schrecken kriegerischer Auseinandersetzungen die Schädel 1.413 Gefallener und die Gebeine circa 7.000 weiterer Männer aufbewahrt. Dabei handelt es sich um einen Teil menschlicher Überreste der 300.000 Soldaten zählenden „Schlacht von Solferino“.

Diese trug sich am 24. Juni 1859 vor dem Hintergrund der italienischen Befreiungs- und Unabhängigkeitsbestrebungen zu und forderte an einem einzigen Tag circa 10.000 Todesopfer und annähernd 100.000 Verwundeten.

Weiterer Anlaufpunkt für die Reisegruppe war in Solferino das 100 Jahre nach der Schlacht eingeweihte Denkmal, an dem jede nationale Rotkreuz- oder Rothalbmond-Gesellschaft aus zurzeit 196 Staaten durch eine Steintafel repräsentiert wird.

Gründer der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung war der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant (1828-1910). Der Zufall wollte es, dass der damals 31-jährige Genfer Zeuge der Kampfhandlungen wurde. Von dem Leid der Verletzten und Traumatisierten zutiefst erschüttert, begann Dunant (1901 Träger des erstmalig verliehenen Friedensnobelpreises) zusammen mit den Frauen von Castiglione delle Stiviere damit, die notdürftige Versorgung der Verwundeten zu organisieren.

Dabei unterschieden die zivilen Hilfskräfte nicht nach der Nationalität der Verletzten, sondern handelten nach dem Leitsatz „Tutti fratelli“ („Alle sind Brüder“). Der zum Lazarett umfunktionierte Dom befand sich keine 50 Meter neben der kleinen Wohnung, die Dunant während seines knapp einwöchigen Aufenthalts angemietet hatte und die die Delegation aus dem DRK-Bezirk Lüneburg während ihrer Exkursion ebenfalls in Augenschein nahm.

Das Gesehene und Erlebte verarbeitete Dunant 1862 in dem Buch „Un souvenir de Solférino“ („Eine Erinnerung an Solferino“), das er an Europas und Nordamerikas führende Persönlichkeiten aus Politik und Militär versandte. Darin regte er die Gründung freiwilliger Hilfsorganisationen an, die sich zu Friedenszeiten auf die unterschiedslose Hilfe und Pflege für im Krieg zu schützende und neutral zu behandelnde Verwundete vorbereiten sollten.

Dunants Worte fanden Gehör - 1863 wurde der Vorläufer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ins Leben gerufen. Die ein Jahr später verabschiedete erste Genfer Konvention als wesentlicher Bestandteil des humanitären Völkerrechts geht auf die Vorschläge Dunants zurück.

Fazit von Renate Rohde, stellvertretende Präsidentin des DRK-Kreisverbandes Wesermünde und Initiatorin der Studienreise nach Norditalien: „Es ist immer wieder beeindruckend, den Ort zu besuchen, an dem der humanitäre Gedanke als Ursprung der Krankenpflege, der Ersten Hilfe und letztendlich ja auch der Arbeit unserer ehrenamtlichen Sanitätsbereitschaften geboren wurde. Die Reise hat uns sehr authentische Eindrücke vermittelt. Es ist für unsere heute Tätigkeit sehr wichtig zu wissen, wo die Herkunft unserer Hilfsorganisation liegt“.

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